Elternzeit für Väter – Eine Chance mit Haken?

elternzeit_fuer_vaeterDie Elternzeit ist nicht nur für Mütter da, auch Vätern bietet sich die wertvolle Chance, nach der Geburt ihres Kindes eine Familienpause einzulegen. Sie können sogar eine mehrjährige Elternzeit nehmen, während die Frau wieder voll in den Beruf einsteigt. Das neue Elterngeld Plus erleichtert die Situation für Eltern, die während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchten. Eine längere Bezugsdauer und mehr Flexibilität bieten in diesem Fall einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Basiselterngeld. Die meisten Papas entschieden sich bisher für die sogenannten „Vätermonate“, das Elterngeld Plus lockt als neue Alternative.

Pro und Contra Elternzeit für den Vater

Eine schöne Idee – mit Haken

Auf dem ersten Blick ist es eine wunderbare Idee, jungen Vätern die Möglichkeit zu geben, sich für einige Monate der Familie zu widmen – und ihr Baby von Anfang an mitzubetreuen. Es gehört zum Selbstverständnis vieler moderner Väter ohnehin inzwischen dazu, sich aktiv an der Kindererziehung zu beteiligen. Ein Vater, der sein Kind vom Babyalter an betreut, lernt sein Kind ganz intensiv kennen, sodass sich eine sehr enge Beziehung entwickeln kann. Dem Kind kommt es eindeutig zugute, wenn es sich bei Mutter und Vater gleichermaßen geborgen fühlt.

[quote]Ich habe mich entschieden, zwei Jahre lang nichts weiter als Hausmann mit Baby zu sein. Die Nachbarn haben schon ziemlich schief geguckt, als ich morgens nicht mehr ins Auto gestiegen bin, um zur Arbeit zu fahren. Stattdessen schiebe ich jetzt den Kinderwagen durchs Dorf. Meine Frau verdient in dieser Zeit das Geld: Warum auch nicht?[/quote] (Markus, 32, Sachbearbeiter)

Ein Vater, der für einige Wochen Abstand vom Beruf nimmt und stattdessen sein Baby betreut, wird inzwischen nur noch selten schief angesehen. Das gesellschaftliche Verständnis für die väterliche Familienzeit wächst. Entscheidet sich ein Mann aber dafür, zwei oder drei Jahre als „Hausmann“ daheimzubleiben, während seine Frau das Geld verdient, kann das schon eher zu Spott und Sticheleien verständnisloser Zeitgenossen führen. Der junge Vater sollte sich in dieser Situation seiner wichtigen Rolle bewusst sein: Er zieht ein kleinen Menschen heran, der Tag und Nacht Fürsorge benötigt. Das können nur starke Männer!

Welche Auswirkungen hat die Elternzeit auf die Karriere?

Für Monate oder sogar Jahre aus dem Job auszusteigen, kann, trotz Kündigungsschutz in der Elternzeit, berufliche Nachteile mit sich bringen. Das wissen viele Mütter aus eigener Erfahrung, und auch manch junger Vater hat eine negative Geschichte zu erzählen. Zu den Konsequenzen am Arbeitsplatz können blockierte Aufstiegschancen gehören, eine ungewollte Versetzung, der Verlust eines Aufgabengebietes oder, im schlimmsten Fall, die Kündigung direkt nach der Elternzeit. Für Mütter und Väter gilt gleichermaßen: umso länger die Auszeit, desto schwieriger der Neueinstieg.

[quote]Ich habe mich für zwei Vätermonate entschieden. Mein Chef war zwar nicht begeistert, aber im Gespräch unter vier Augen sagte er mir, dass er mich als guten Mitarbeiter unbedingt behalten will. Das macht Mut. [/quote] (Karsten, 28, Bauzeichner)

elternzeit_vaeter_familienzeitIn einigen Betrieben hat allerdings bereits ein Umdenken stattgefunden: Zufriedene Mitarbeiter, die sich auch in ihren familiären Umständen vom Arbeitgeber getragen fühlen, arbeiten motivierter, heißt es. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance gilt als solide Basis für ein produktives Miteinander. Hier liegt es an dem jungen Vater selbst, seine Situation im Unternehmen einzuschätzen und die Karriere nicht aus dem Auge zu verlieren.

Bedenken sollte man in diesem Zusammenhang, dass die Elternzeit auch Möglichkeiten zur Weiterbildung in sich birgt. Außerdem trägt eine intensive Zeit mit der Familie häufig zur Weiterentwicklung wichtiger Soft Skills bei, die auch am Arbeitsplatz nützlich sein können. Dazu gehören beispielsweise Organisationstalent, Geduld und Stressresistenz.

Pro und Contra Elternzeit für Väter: die finanzielle Situation

Ein Vater, der Elternzeit in Anspruch nimmt, erhält 67 % seines vorherigen Nettoeinkommens. Ob dieses Geld ausreicht, die junge Familie für eine begrenzte Zeit zu finanzieren, muss jeder selbst berechnen. In einigen Fällen wird es sicher finanziell knapp, manche Familien können sich den Verdienstausfall auch gar nicht leisten. Zu bedenken dabei ist aber, dass das monatliche Kindergeld für das Baby noch hinzukommt – und dass Teilzeitarbeit in der Elternzeit erlaubt ist. Doch spätestens beim zweiten oder dritten Kind wird das Budget immer enger, der elterliche Anspruch auf Familienzeit scheitert manchmal an den finanziellen Möglichkeiten. Wichtig ist, die Finanzen im Voraus genau durchzukalkulieren und zu bedenken: Das Leben mit Kind kann teurer sein als gedacht.

Die wichtigsten Fakten zur Elternzeit für Väter

Gesetzlicher Anspruch besteht auf insgesamt drei Jahre Elternzeit, davon dürfen nach neuestem Stand bis zu 12 Monate zwischen dem 3. und 8. Geburtstag des betreffenden Kindes liegen. Der Antrag auf Elternzeit muss spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Beginn beim Arbeitgeber vorliegen. Zu bedenken ist auch, dass der spezielle Kündigungsschutz acht Wochen vor Beginn der Elternzeit in Kraft tritt, darum legen clevere Väter ihren Antrag exakt zwischen der siebten und achten Woche vor Anfang der Elternzeit dem Arbeitgeber vor.

Im Antrag auf Elternzeit muss auch die Dauer der Auszeit vermerkt sein. Wer sich auf ein Jahr festlegt, wird ein eine spätere Verlängerung nur dann in Anspruch nehmen können, wenn der Arbeitgeber ausdrücklich zustimmt. Also sollte die auf dem Antrag vermerkte Elternzeitdauer gut durchdacht sein. Sie muss laut gesetzlicher Vorgaben mindestens zwei Monate betragen. Viele Väter nehmen direkt im Anschluss an die Geburt ihre beiden „Vätermonate“, um eine gemeinsam Zeit mit der Partnerin und dem Neugeborenen zu verbringen.

Väter, die in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeiten, können während der Elternzeit ihren Anspruch auf Teilzeitarbeit geltend machen.

Die Bedingungen:

  • der Mitarbeiter ist länger als 6 Monate in der Firma tätig
  • die Teilzeitarbeit wurde sieben Wochen vor Beginn beantragt
  • die Arbeitszeitreduzierung gilt für mindestens 2 Monate
  • die angestrebte Arbeitszeit liegt zwischen 15 und 30 Stunden pro Woche
  • es sprechen keine dringenden betrieblichen Gründe gegen Teilzeitarbeit

Nach Beendigung der Elternzeit kehrt der Beschäftigte automatisch zur alten Arbeitszeitregelung am selben oder einem gleichwertigen Arbeitsplatz zurück.

Das Elterngeld Plus und seine Bedeutung für Väter

elternzeit_elterngeld-plus-2015Die Reglungen für das Elterngeld Plus gelten für die Eltern von Kindern, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden. Das entsprechende Gesetz trat am 1. Januar 2015 in Kraft.

Das Elterngeld plus bietet jungen Eltern neue Möglichkeiten, die staatliche Finanzspritze zeitlich aufzuteilen. Der Elterngeldbezug, der vorher inklusive Vätermonate längstens 14 Monate betrug, kann jetzt auf bis zu 24 Monate gestreckt werden. Dies gilt allerdings ausschließlich für einen Elternteil, der sich dafür entschieden hat, in Teilzeit zu arbeiten: Für diesen Vater / diese Mutter werden aus einem Elterngeldmonat zwei Elterngeld-Plus-Monate.

Die „Vätermonate“ erhalten in diesem Fall eine besondere Bedeutung: Wenn Mutter und Vater parallel vier Monate lang in Teilzeit arbeiten, bekommen sie vier weitere Elterngeld-Plus-Monate als „Partnerschaftsbonus“ dazu. Dafür muss jeder von ihnen 25 bis 30 Wochenarbeitsstunden vorweisen.

Das Elterngeld Plus beläuft sich auf maximal die halbe Summe des normalen Elterngeldes, das dem jeweiligen Elternteil ohne Reduzierung auf Teilzeitarbeit zustünde. Für jeden neu geborenen Mehrling gibt es 300 Euro pro Monat dazu. Jeder Elternteil stellt einen eigenen Antrag bei der zuständigen Elterngeldstelle, die sich zumeist in der Kreisverwaltung befindet.

 

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